Historie – Passow

Gemeinde Passow

Die Gemeinde Passow liegt im Norden des Amtes Oder-Welse und wird gebildet aus den Ortsteilen Briest, Jamikow, Passow/Wendemark und Schönow. Am 31. Dezember 1998 schlossen sich die Gemeinden Briest, Jamikow und Passow zur neuen Gemeinde Welsebruch zusammen. Seit 2003 ist auch die ehemalige Gemeinde Schönow Ortsteil von Passow. Im Herbst 2004 wurde die Gemeinde Welsebruch in die Gemeinde Passow umbenannt.
Im Nordwesten grenzt Passow an das Amt Gramzow, im Nordosten an das Amt Gartz/Oder und im Osten an die Stadt Schwedt/Oder. Die Ortsteile innerhalb der Gemeinde haben ihren dörflichen Charakter bewahrt. Alle Ortsteile verfügen über denkmalgeschützte Kirchen.
Die Gemeinde bietet außerdem gute Möglichkeiten für Freizeit und Erholung, so Fußballplätze in Schönow und Passow sowie Anlagen für Reit- und Pferdesport, Rad-, Wander- und Reitwege.

Briest

Die Geschichte des Dorfes
Eine Bronzemünze des römischen Kaisers Marc Aurel (161 – 180 n. Chr.) wurde im Welse-Bruch bei Briest gefunden. Sie ist ein Zeugnis, dass bereits zu dieser Zeit Menschen in diesem Gebiet lebten.
Die erste Erwähnung des Ortsteiles Briest findet sich im Jahre 1288 in einer Urkunde des Klosters Gramzow. Hier erscheinen Johannes v. Brist und Laurentius, Meier des Dorfes, als Zeugen für einen geschlossenen Vergleich zwischen dem Kloster und dem Städtchen Gramzow über die Nutzung des Feldmarks. Auf Grund von zahlreichen Funden (Feuersteingeräte und Steinwerkzeuge) ist allerdings davon auszugehen, dass das Gebiet schon in der Jungsteinzeit um 3000 bis 1900 v.Chr. besiedelt war.
Der Name Briest (früher Brist oder Bryst) stammt von brestu und bedeutet Ulme (Rüster-Waldbaum).
Um 1190 bis 1200 wurde im Rahmen der deutschen Kolonisationsbewegung das mittelalterliche Dorf als Angerdorf angelegt. Bis 1472 war es unter pommerscher Landesherrschaft. Auf Grund des über 100 Jahre währenden Streites zwischen den pommerschen und brandenburgischen Fürsten wechselte die Landesherrschaft des Öfteren. Ende des 15. Jahrhunderts gehören Teile von Briest den von Arnims auf Zichow, später gehörte es wieder zum Amt Gramzow. Im Jahre 1542 wird Briest Pfarrdorf. Im Jahre 1578 gehören 18 Bauern, 6 Kossäten, ein Schmied und ein Hirte zu den Einwohnern des Ortes.
Die Kriege, wie der Dreißigjährige Krieg und Siebenjährige Krieg brachten Tod, Not und Elend und die teilweise Verwüstung der Höfe mit sich, die Bevölkerung musste Quartiere gewähren, Löhnungen und den Bedarf an Lebensmitteln für die Truppen und Futter für die Pferde aufbringen. Nicht selten waren sie Plünderungen ausgesetzt. Im Jahre 1813 wurde eine Landwehr errichtet und eine Bewaffnung vorgenommen, das erforderliche Geld wurde durch Sammlungen und Stiftungen im Ort beschafft.
Gedenktafeln in der Kirche weisen darauf hin, dass im Befreiungskrieg 1813/1815 43 Bürger des Ortes bei verschiedensten Kämpfern und in verschiedensten Ländern ihr Leben ließen. In den nachfolgenden Jahren nahm der Besitztum in Briest zu. In den Jahren 1897 bis 1899 wurde die Straße von Briest bis Bahnhof Passow auf eigene Kosten gepflastert, 1914 wurde begonnen, das Ortsnetz zur Elektrifizierung umzubauen, unterbrochen durch den 1. Weltkrieg, brannte das erste elektrische Licht am 15.02.1920.
Der Bauerncharakter des Dorfes hatte sich über Jahrhunderte erhalten, der großbäuerliche Besitz sich ständig vergrößert und damit Ausbeuterverhältnisse geschaffen. Nach dem Ende des II. Weltkrieges (1933-1945) wohnte im Ort nur die Familie Herfort, alle anderen Einwohner mussten den Ort verlassen, obwohl Briest keine strategische Bedeutung hatte.
Mit der Rückkehr der Einwohner in den Mai- und Junitagen des Jahres 1945 kamen auch viele andere Menschen nach Briest. Laut Kataster hatte Briest 1945 eine Fläche von 1174 ha. Davon 745 ha Ackerland und 267 ha Dauergrünland. Es ist ein vorwiegend mittelschwerer Boden mit einer durchschnittlichen Ackerwertzahl 48. Also bei guter Bewirtschaftung ein fruchtbarer Boden.
Das Dorf hatte plötzlich fast 580 Einwohner, das waren 150 Menschen mehr, als bisher im Ort wohnten. Vielfach wohnten 13 Personen in einer Stube und man richtete notdürftige Unterkünfte in den Ställen ein. Im Haus Glöde war damals die sowjetische Kommandantur untergebracht. Briest selbst hatte keinen großen Schaden durch Kriegseinwirkungen zu beklagen.
1949 erfolgte die Gründung beider deutscher Staaten. Ein schwieriger Prozess war die Umstellung der Landwirtschaft von der bäuerlichen Einzelwirtschaft auf eine kollektive Arbeitsweise. Viele erlebten dies als den Verlust von Land und Vieh. Im ehemaligen Haus Lüder wurde 1951 eine Konsumverkaufsstelle eingerichtet. 1961 war der Aufbau der LPG-en abgeschlossen.
In den Jahren 1963/64 wurde eine Kultureinrichtung mit Gaststätte, Saal, Küche und Kindereinrichtung erbaut. Die ersten 12 WE als staatlicher Wohnungsbau wurden 1965 errichtet. 1966 erfolgte die Einrichtung eines Friseurstützpunktes, der 1975 in das ehemalige Haus Draht umgesetzt wurde und 1979 im Haus Dorfstraße 14 erneuert wurde. Umfangreiche Arbeiten zur Verbesserung der Bürgersteige durch Verlegung von Gehwegplatten wurden 1976 vorgenommen. Außerdem wurden durch Eigenleistungen der Bürger viele Blumenrabatten geschaffen. 1979 wurde die Gesundheitsstube, welche bereits seit vielen Jahren bestand, neu im Haus Dorfstraße 14 eingerichtet. Die Trinkwasserleitung wurde in den Jahren 1981/82 erbaut und 94 Haushalte an die Trinkwasserversorgung angeschlossen. Der Bau weiterer 5 WE erfolgte 1984.

Die Kirche von Briest
Die Briester Kirche, erbaut im 13. Jahrhundert, mit ausgezeichneten Feldsteinbau und teilweiser Verwendung von Backsteinen, ist geprägt durch den Einfluss der Mönche des Gramzower Klosters.
Die Größe der Kirche weist auf eine bedeutende Stellung innerhalb der kirchlichen Verwaltung hin.

Die Briester Kirche

Die Briester Kirche

Der Turm mit 5 Geschossen und einer Höhe von ca. 27 m ist ein Granitquaderwerk. Am Ostgiebel befindet sich ein kleiner Glockenturm mit einem niedrigen massiven Pyramidendach, auf dem sich ein geschmiedetes Kreuz befindet.
Der Altar ist eine monumentale Kombination eines spätgotischen Flügelaltars (um 1500) und eines Renaissanceaufbaus (1600), die Kanzel ist ein Renaissancewerk (Ende des 16. Jahrhunderts) mit korinthischen Säulen an den Ecken und die Taufe ist über einen gekehlten Fuß aufgebaut.

Jamikow

Die Geschichte des Dorfes
Die Bruchlandschaft von Randow und Welse gehört zum nordöstlichen Teil der Uckermark. Diese an Wäldern und Seen reiche Landschaft zieht sich vom Finowtal im Süden bis nach Pasewalk im Norden hin.
Erste Besiedlungen im Niederungsland an der Oder 400 – 600 u.Zt. waren die Folge der großen Völkerwanderung der Slawen.
Ab 1172 wurde das Land von den Pommernherzögen, die auch das Kloster Gramzow und die Stadt Prenzlau gründeten, beherrscht. 1250 trat der Pommernherzog Barnim die Uckermark im Vertrag von Landin an die askanischen Markgrafen Johann und Otto, und damit an die Brandenburg ab.
Der Ort Jamikow wurde am 05. Mai 1345 erstmals urkundlich erwähnt, als der pommersche Herzog Barnim III. dem Nonnenkloster von Stettin die Welse von der Mühle zu Jamikow bis zur Oder verlieh. Die Schreibweise in der Urkunde lautet „Januck“. Das Kloster besaß in der näheren Umgebung zahlreiche Güter, zu denen vermutlich auch Jamikow gehörte.
1415 wurden die Hohenzollern durch Belehnung die Herren der Mark. 1448 verzichtete Brandenburg auf die nördlichsten Orte der Mark und seitdem ist diese ein geschlossenes brandenburgisches Gebiet.
Der dreißigjährige Krieg führte zu schweren Verwüstungen in der Region, allein 40 Dörfer im Kreisgebiet Angermünde waren vernichtet, Schwedt und Vierraden lagen in Asche.
Im Jahre 1661 wurde Jamikow als Ort erstmals erwähnt.
1701 mündet die Geschichte Brandenburgs in die Geschichte Preußens. Mit der Trockenlegung des Oderbruchs ab 1717 wurden Siedler u.a. aus Polen, Holland, Frankreich und Österreich angeworben. Im Verlauf der Entwicklung kam es zu einem bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung der Region.
Im Siebenjährigen Krieg (1756/63) wurde die Uckermark erneut zum Kriegsschauplatz und war teilweise von den Kampfhandlungen mit schwedischen Truppen betroffen.
Nach der Niederlage Preußens durch Frankreich 1806 begannen schrittweise eingeleitete bürgerliche Reformen. Besonders bedeutsam für die Landbevölkerung war die Befreiung von der Leibeigenschaft und der Erbpacht (Oktoberedikt) durch die Stein-Hardenbergschen Reformen mit der Gesetzgebung von 1807-12.
Im Zuge der Reformen erfolgte im Jahr 1816 die Einteilung in Regierungsbezirke und nachgeordnete Kreise. Der Regierungsbezirk Potsdam hatte 13 Kreise und die Uckermark umfasste drei Kreise: Prenzlau, Templin, Angermünde. Um die Nordgrenze des Kreises Angermünde gab es mit dem Kreis Randow im Regierungsbezirk Pommern heftige Auseinandersetzungen und einige Dörfer wechselten ihre territoriale Zugehörigkeit.
Nach dem 2. Weltkrieg, der das wirtschaftliche Leben der Region zum Erliegen brachte, wurde mit der Gebietsreform 1952 das Land Brandenburg in mehrere Bezirke gegliedert. Jamikow gehörte danach zum Kreis Angermünde im Bezirk Frankfurt/Oder.
Der strukturelle Wandel in der Landwirtschaft setzte vor allem Ende der 50er Jahre mit der Schaffung landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften ein. Die Tendenz zu großen zusammenhängend bewirtschafteten Flächen und großen konzentrierten Tierhaltungen haben oftmals die landschaftlichen Gegebenheiten und dörflichen Strukturen stark verändert.
1990 wurden die Bezirke aufgelöst und die ehemaligen Länder, also auch das Land Brandenburg wiedereingeführt. Die Gliederung der Kreise blieb vorerst erhalten. Mit der Einführung marktwirtschaftlicher Prinzipien wurde die bisherige Produktionsstruktur der Landwirtschaft in Frage gestellt und hatte einen erheblichen Wandel erfahren.
Die Gemeinde Jamikow gehörte bisher zum Verband mehrerer Gemeinden, deren ländliches Grundzentrum Casekow war. Im Zuge der durchgeführten Verwaltungsreform ist Jamikow in den Gemeindeverband Passow integriert worden.
Bekannt ist Jamikow auch durch die zahlreichen Lesungen der Buchautorin Lisa Lehmann, die Heimatgeschichten in „Ein Sommermärchen“ erzählt.

Die Kirche in Jamikow
Die Kirche, die 1856 erbaut wurde, hat ihren Platz mitten im Dorf. In den vergangenen Jahren wurden sowohl an der Friedhofsmauer als auch an der Kirche Restaurationsarbeiten ausgeführt.

Kirche in Jamikow

Kirche in Jamikow

Das denkmalgeschützte Gutshaus, eine spätbarocke Anlage, wurde vermutlich schon Ende des 18. Jahrhunderts errichtet. Für den langgestreckten eingeschossigen Bau ist das hohe, für diese Zeit typische Mansarddach bezeichnend.
Bis 1945 gehörte der Besitz der Fürstenfamilie Lynar-Redern aus Görlsdorf, die einen Pächter in Jamikow eingesetzt hatte. Mit Ende des Krieges 1945 begab sich das gesamte Dorf auf die Flucht. Ein Teil der Leute kehrten 1946 in das Dorf zurück und fing an mit den aufgesiedelten Flächen der Bodenreform zu wirtschaften. In die zahlreichen Zimmer des Gutshauses kehrte wieder Leben ein; nach dem Krieg lebten bis zu 100 Flüchtlinge dort.

Passow/Wendemark

Die Geschichte des Dorfes
Passow
Die erste schriftliche Erwähnung findet sich 1296 als Parsowe. Weitere Erwähnungen in den Jahren 1355 als Porszow und 1459 als Passow. Es handelt sich um ein Angerdorf mit Kirche und Gut. 1325 werden die in mecklenburgischen Besitz befindlichen Häuser von Passow, Steinvörde, Gerswalde und Görlsdorf durch den Markgrafen an die Vögte zu Stolpe und Liebenwalde überantwortet. 1355 werden Crussow, die Burg Zichow, Passow und andere Orte an Pommern abgetreten.
Im Jahre 1527 besteht das Dorf aus 60 Hufen, 1536 werden Mühle, Krug, Burgwall, Zoll und alte Dorfstätte genannt. 1624 gibt es in Passow 16 Bauern, 15 Kossäten, einen Müller – das Dorf verfügt über 46 Hufen. Im Jahr 1734: 19 Bauern, 12 Häuslinge, einen Müller, einen Schmied, einen Leineweber, einen Schäfer, vier hirten, 19 Knechte und 15 Mägde. 1840 verfügen Dorf und Rittergut über 52 Wohnhäuser; im Jahre 1931 über 76 Wohnhäuser.
1974 wurde die Gemeinde Wendemark in die Gemeinde Passow eingemeindet.

Entwicklung der Bevölkerung:
1734 – 226
1774 – 317
1801 – 331
1817 – 295
1840 – 381
1895 – 590
1925 – 641
1939 – 542
1946 – 808
1964 – 674
1971 – 748
1981 – 1243 (mit Wendemark zusammen)
2014 – 909

Die Kirche in Passow
Es handelt sich um eine frühgotische rechteckige Feldsteinkirche aus dem 3. Viertel des 13. Jahrhunderts. Der Westturm wurde etwa in Schiffsbreite erst im 18. Jahrhundert angebaut. 1822 wurde er um einen quadratischen verbretterten Turmaufsatz erweitert.

Kirche in Passow

Kirche in Passow

Der Bahnhof in Passow
Als 1840 die Berlin-Stettiner-Eisenbahn gebaut wurde, wurde auf Wendemarker Gebiet der Bahnhof Passow errichtet. Die Züge fuhren von hier nach Berlin und Stettin. Am 15.08.1843 konnte die gesamte Strecke Berlin-Angermünde-Stettin übergeben werden. Der damalige König Friedrich Wilhelm IV., der an der Einweihungsfahrt teilnahm, kam an diesem Tag zweimal durch Passow.
Durch den Bau der Eisenbahn verloren viele Fuhrleute, die vorher die Waren mit dem Pferdefuhrwerk sogar bis Berlin transportierten, ihre Arbeit. Der gesamte Post- und Personenverkehr nach Prenzlau, Pasewalk, Pommern und Rügen ging über den Bahnhof Passow. Zu jedem Zuge waren 75 Postkutschen zur Stelle, die die Weiterbeförderung der Passagiere und der Post übernahmen. Der Name Posthof für den Eisenbahnergarten an der Chaussee weist darauf hin, dass hier die Stallungen für die Postpferde und Remisen für die Postkutschen gestanden haben.
Als die Bahn Berlin-Stralsund geplant wurde, sollte die Strecke vom Bahnhof Passow aus gebaut werden. Aber die Bauern der Gemeinden Briest und Fredersdorf weigerten sich, den notwendigen Acker hierzu abzutreten. Sie wollten „dat Dübelstüg“ nicht auf ihrem Acker sehen. So wurde die Bahnstrecke von Angermünde aus gebaut und der Bahnhof Passow verlor seinen ganzen Glanz.

Wendemark
Der Name rührt von der geographischen Lage her. Er wurde als die sogenannte Wendemarke zuerst im Kloster Gramzow vom Jahre 1592 genannt. Es ist damit der Streifen Land am Randowbruch gemeint, der von der Briester Bauern gegen gewisse Kornpächte bewirtschaftet wurde. Dieser Landstrich, die sogenannte Wendemarke also, war während der Zeit, in der die Wenden in dieser Gegend wohnten (ca. 600 – 1200 n.Chr.) nicht bebaut und dadurch zu Wald geworden, der seine Fortsetzung in der Zichower Heide fand, die früher bis an die Briester Grenze reichte.
Dieser Wald kam durch Schenkung in der Besitz des Klosters Gramzow. Später wurde der Wald gerodet und an die Briester Kirche verpachtet. Für einen selbstständigen Ort war das Land zu klein. Nach einer Karte von 1719 hatte er nur 671 Morgen Ackerland.
Auch wenn in geschichtlicher Zeit vor 1730 keine Bevölkerung nachweisbar ist, so ist doch in der vorgeschichtlichen Zeit der Ort wohl dauernd besiedelt gewesen. Die älteste Siedlung hat an und auf der Kiesgrube bei Neumann Nr. 1 gestanden. An der Nordseite der Kiesgrube kann man noch heute eine steinzeitliche Wohngrube erkennen. Deutlich hebt sich die schwarze Kulturschicht der Grube ab, die mit Feuersteinsplittern bedeckt ist. Es war jedenfalls die Werkstätte eines Indogermanen, der hier vor ungefähr 4000 Jahren Feuersteinwaffen für sich und vielleicht auch für andere herstellte. Zahlreiche Knochen als Abfälle seiner Mahlzeiten sind ebenfalls dort zu finden. Scherben und fertige Waffen sind bisher dort noch nicht gefunden worden.
Eine andere steinzeitliche Wohngrube befindet sich in dem Abhang der großen Sandgrube bei Siedlung Nr. 9. In ihrer Nähe sind 1897 beim Abfahren des Sandes, anlässlich der Besandung der Moorkulturen, 4 Urnen gefunden worden. Sie gehören zum Kulturkreis der Oderschnurkeramik. Sie wurden lange Zeit von Amtsrat Schreyer im Gutshause aufbewahrt. 1930 wurden sie vom Vorgeschichtlichen Museum Berlin als Ausstellungsstücke erworben.
In der Nähe der Wohngrube deckte der Arbeitsdienst dann 1932 ein Hockergrab auf. Das Skelett lag mit angehockten Beinen auf der rechten Seite. Die Hände lagen in typischer Schlafstellung unter dem Kopf. Das Skelett zeigte mit dem Kopf nach Osten und dem Steiß nach Westen. Das Gesicht sah nach Norden. Der Schädel war ein wundervoller nordischer Langschädel. Das Skelett war ohne Steinschutz beigesetzt und hatte keinerlei Beigaben, die eine genaue Altersbestimmung ermöglicht hätten.
Auf der besandeten Kultur wurde von dem Inspektor Hofmann eine zersprungene durchlochte Steinaxt gefunden. Auf dem Unterland an der Bahn wurde 1932 eine steinzeitliche Handmühle ausgepflügt. Leider wurde sie zerschlagen und zu Pflastersteinen verarbeitet.
Sie teilte hiermit das Schicksal all der Hünengräber, an denen die Gegend früher reich war. Nach einem Bericht von 1845 existierten bis vor kurzer Zeit noch mehrere. Sie waren gerade beseitigt worden, weil sie beim Ackern hinderten. Auch auf dem Backofenberg, den der Besitzer jetzt zur Hälfte abgetragen hat, soll eins gestanden haben.
In der nachfolgenden Bronzezeit ist für Wendemark ein zusammenhängendes Dorf nachzuweisen. Beim Legen von Pumpenröhren fanden am 22.04.1929 die Elektromonteure Hermann Buchin und Georg Neuendorf im Vorgarten der Schule eine Spirale aus goldenem Doppeldraht mit 4 Windungen. Der Durchmesser beträgt 1,5 cm, das Gewicht etwas unter 6 g, die Masse ist Gold von sehr hohem Feingehalt. Der Ring, ein sogenannter Lockenring stammt aus der 5. Periode der Bronzezeit um 1000 v. Chr.
Eine ganze Menge Topfscherben und Knochenabfälle wurde ebenfalls dort gefunden. Solche Topfscherben wurden überall in den Gärten westlich der früheren Arbeiterhäuser gefunden. Beim Bau des Silos bei Stelle 32 wurden auch welche gefunden.
Auch für die nachfolgende Eisenzeit gibt es Beweise, dass der Ort zu der Zeit besiedelt war. Auf der steinzeitlichen Wohngrube bei Nr. 1 stand eine Steinkiste. Sie steht jetzt im Schulvorgarten auf der Fundstelle des goldenen Ringes. Sie war das Grab eines Germanen. In ihrem Inneren fanden sich nur noch einige Knochenreste vom Schädel. Man hatte dem Toten keinerlei Gaben mit ins Grab gegeben.
Beim Scheunenerweiterungsbau wurden von dem Siedler Gustav Neumann, der durch das Finden der Steinkiste auf seinem Gelände für Vorgeschichte interessiert worden war, verschiedene Topfscherben gefunden. Sie stammen aus der Eisenzeit, und hier hat das germanische Gehöft gestanden, das zu dem Grab gehört.
Die Gemeinde Wendemark wurde 1974 in die Gemeinde Passow eingemeindet.

Entwicklung der Bevölkerung:
1774 – 52
1801 – 48
1817 – 80
1840 – 87
1858 – 119
1895 – 178
1925 – 243
1939 – 358
1946 – 580
1964 – 368
1971 – 361
1981 – 1243 (mit Passow zusammen)

Schönow
Der kleine, weniger als 300 Einwohner zählende Ort Schönow, bildet den nördlichen Abschluss der Gemeinde Passow. Ein kleiner Waldsee, die nahen Wiesen des Randowtals, sowie auch der alte Gutshof mit seinen aus Feldstein errichteten Häusern und dem wieder rekonstruierten Schloss erzeugen ein dörflich idyllisches Flair.

Das Schönower Schloss
Das Schönower Schloss befindet sich seit 2014 in privater Hand. Im Vorfeld waren das Dach und die Fassade komplett erneuert worden.

Schönower Schloss

Schönower Schloss

Der Turm des Schönower Schlosses im Winter 2000 nach seiner Restaurierung

Der Turm des Schönower Schlosses im Winter 2000 nach seiner Restaurierung